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Chronik der Marinekameradschaft Kiel v. 1914 e.V.
Portait: Marinekameradschaft Kiel von 1914 e.V.
Festrede "90 Jahre MK Kiel" von Dr. Dieter Hartwig
Die Marinestadt Kiel von Albert Nitzschke
Die Entwicklung des Mützenbandes in den Deutschen Marinen
Chronik der Marinekameradschaft Kiel von 1914 e.V.
Zum 90. Jahrestag der Gründung lohnt es sich durchaus, einmal den zurückliegenden Zeitraum näher zu betrachten:
Um die Jahrhundertwende bestanden in Kiel sechs Marinevereine. Der älteste war der 1890 gegründete Marineverein "Prinz Heinrich v. Preußen". Dieser zählte etwa 700 Mitglieder - und zwar fast ausschließlich Reservisten aller Dienstgradgruppen. Bei der großen Mitgliederzahl mag es verständlich erscheinen, dass sich die Gruppe der Unteroffiziere eines Tages selbständig machen und einen eigenen Verein gründen wollte. Sie trat deshalb aus und gründete am 12. März 1914 den "Verein ehemaliger Unteroffiziere der Kaiserlichen Marine, Kiel".
Im August 1914 brach der erste Weltkrieg aus und fast alle Mitglieder wurden zum Wehrdienst eingezogen. Nach vierjährigem Ringen kehrten die Überlebenden wieder nach Kiel zurück. Hier hatte sich jedoch vieles verändert. Der früher immer voll belegte Hafen war leer und über den einst so betriebsamen Werften lag tödliche Stille. Die deutsche Flotte war nach den Bestimmungen des Waffenstillstandabkommens ausgeliefert worden und lag interniert in Scapa Flow, wo sie sich schließlich am 21. Juni 1919 selbst versenkte.
In politischer Hinsicht hatte sich auch manches verändert. Deutschland war eine Republik geworden, nachdem im November 1918 Kaiser Wilhelm II abdankte und außer Landes ging. So musste das Wort "kaiserlich" aus den Vereinsnamen gestrichen werden.
Unser Marineverein nannte sich jetzt: "Verein ehemaliger Unteroffiziere der Marine, Kiel".
Nun folgte in den 20er Jahren eine Inflation und bald darauf die Weltwirtschaftskrise. Das wirtschaftliche Leben kam in Kiel nur langsam voran. Da erfolgte der politische Umbrauch vom 30. Januar 1933. Am 16. März wurde die "Allgemeine Wehrpflicht" eingeführt und aus der kleinen Reichsmarine entstand die Kriegsmarine.
Nachdem es der neuen Regierung gelungen war, am 18. Juni 1935 das deutsch-britische Flottenabkommen abzuschließen, erwachten gleichsam auch die Kieler Werften (Deutsche Werke, Germaniawerft, Howaldtwerke) zu neuem Leben. Es durften wieder U-Boote und moderne Kampfschiffe entstehen. Vom Geist dieser Zeit blieben auch die Marinevereine nicht verschont, die sich jetzt "Marinekameradschaften" nannten. So finden wir im Vereinsregister des Amtsgerichtes Kiel unter dem 19. Juni 1936 die Eintragung: "Kameradschaft ehem. Unteroffiziere der Marine e.V., Kiel". Zugleich erfuhr auch die Vereinssatzung eine Änderung. Der Dienstgrad "Unteroffizier" spielte keine Rolle mehr; und so erhielt am 7. Januar 1939 unsere Kameradschaft den noch heute gültigen Namen: "Marinekameradschaft Kiel v. 1914 e.V." (kurz "MK Kiel").
Am 1. September 1939 brach der zweite Weltkrieg aus, und die meisten Mitglieder wurden zur Marine eingezogen oder dienstverpflichtet. Dieser Krieg verschonte aber auch Kiel nicht. Als am 8. Mai 1945 das furchtbare Ringen zu Ende war, glich unsere Stadt einem riesigen Trümmerfeld. Fast 80 % aller Gebäude und Werftanlagen waren durch zahllose Bombenangriffe zerstört.
Ein Neubeginn schien fast aussichtslos. Trotzdem begannen die Überlebenden und die nach und nach aus der Kriegsgefangenschaft Heimkehrenden wieder Ordnung in das Chaos zu bringen. So begann das Leben in Kiel langsam wieder lebenswert zu werden. Nach Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 7. September 1949 erlaubten schließlich die Besatzungsmächte auch das Vereinsleben wieder. Und so trafen sich im Januar 1953 im Restaurant "Seeburg" 25 Kameraden, gerufen vom früheren Vorsitzenden Paul Grönwoldt, der seit 1937 die Geschicke der Gemeinschaft gelenkt hatte. Man fasste den Entschluss, die Marinekameradschaft wieder zu gründen.
Dies geschah am 21. Februar 1953 im alten Vereinslokal "Kaiser Friedrich". Zum 1. Vorsitzenden wurde wiederum Paul Grönwoldt gewählt. Nach Erarbeiten und Annahme einer neuen Satzung konnte die Wiedergründung am 19. November 1953 ins Kieler Vereinsregister eingetragen werden. In diesem Jahr erfolgte auch der Beitritt zum neu entstandenen "Deutschen Marinebund e.V.".
Im Jahre 1961 beschloss eine außerordentliche Mitgliederversammlung auf Vorschlag des damaligen Präsidenten des Deutschen Marinebundes e.V., Konteradmiral a.D. Ernst Lucht, die Hinzufügung eines Zusatzes zu unserem Vereinsnamen, und zwar:
"Traditionskameradschaft des Bundes Deutscher Marinevereine von 1891, Kiel".
Damit sollte das im Jahr 1891 unternommene Bemühen des früheren Marinevereins "Prinz Heinrich v. Preußen", aus dem unsere Vereinigung 1914 hervorgegangen war, in Erinnerung bleiben, die bis dahin bestehende Marinevereine zu einem "Marinebund" zusammenzufassen. Dies war jedoch am Einspruch des seit 1872 bestehenden "Deutscher Kriegerbund" gescheitert.
Die Marinevereine durften sich lediglich in einer "Vereinigung Deutscher Marinevereine" zusammenschließen. Diese Bezeichnung wurde im Jahre 1920 in "Bund Deutscher Marinevereine" geändert.
Die monatlichen Mitgliederversammlungen waren über 60 Jahre in der Gaststätte "Kaiser Friedrich" am Wilhelmplatz abgehalten worden. Als dieses Lokal schließen musste, wurde der Beschluss gefasst, nunmehr für ein eigenes Kameradschaftsheim zu sparen.
Die Grundstücksfrage wurde durch den damaligen Vorsitzenden, Hannes Nier, nach langwierigen und zähen Verhandlungen mit der Kieler Stadtverwaltung gelöst. Es gelang ihm schließlich, ein städtisches Grundstück in Düsternbrook auf Erbbaupachtbasis zu erhalten. Daraufhin begann sein energisches Ringen um die Finanzierung des Bauvorhabens. Schließlich konnte nach Überwindung vieler Schwierigkeiten der leider allzu früh verstorbene Kamerad Horst Wellm den endgültigen Bauentwurf aufstellen und 1989 mit dem Bau beginnen. So entstand im Düsternbrooker Weg 38 unser Heim - finanziert von Beiträgen und Spenden der Mitglieder und durch die selbstlose Mitarbeit einzelner Kameraden. Am 12.10.1990 erfolgte dann die Einweihung im Beisein des damaligen Präsidenten des Deutschen Marinebundes e.V. (kurz: DMB), Konteradmiral a.D. Hans-Arend Feindt, und des ehemaligen Vorsitzenden der MK Kiel, Hannes Nier. Umrahmt wurde die Feierstunde durch das Marinemusikkorps Ostsee.
Die Erhaltung des Heimes erforderte natürlich eine zielstrebige und vorausschauende Finanzierungsplanung. Ein entsprechendes Konzept mit der Zielsetzung einer Bewirtschaftung des Heimes wurde im August 1993 in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung vorgetragen und erläutert. Das Vorhaben wurde daraufhin einstimmig gebilligt. Die danach vorgenommenen baulichen Änderungen schufen dann die räumlichen Voraussetzungen für eine Übernahme der Bewirtschaftung durch den Kameraden Slavko Majstorovic. Seitdem sind sowohl die räumlichen als auch die gastronomischen Voraussetzungen für Versammlungen und Veranstaltungen im Rahmen des Vereinslebens sowie auch für private Feste vorhanden.
Der amtierende Vorstand hofft und wünscht auch für das neue Jahrtausend, dass nicht nur befreundete Vereine als Gäste, sondern spätere Generationen ebenso ihre Freude an diesem schönen, unmittelbar am Wasser gelegenen Heim haben werden, wie sie unsere Mitglieder jetzt schon erleben.
Diese Chronik soll nun mit den Namen der Vorsitzenden abschließen, die unsere Marinekameradschaft sicher durch die Zeiten geführt und die Pflege der Kameradschaft und den Seefahrtsgedanken in den Mittelpunkt ihrer Arbeit gestellt haben:
• 1914 - 1930 Carl Schumacher
• 1930 - 1931 Berthold Niegel
• 1931 - 1937 Arno Grund
• 1937 - 1963 Paul Grönwoldt
• 1963 - 1965 Egon Tschuschke
• 1965 - 1987 Hannes Nier
• 1987 - 1993 Günter Schlegel
• Januar - April 1993 Siegmund Mainusch
• 1993 - 1998 Gerhard Reimer
• 1998 - heute Klaus Schotte
August 1994 Albert Nitzschke
überarbeitet / ergänzt 1999 / 2002 Klaus Schotte
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Portrait
Marinekameradschaft Kiel von 1914 e.V.
Den Zielen des Deutschen Marinebundes besonders verbunden
Über einen Mangel an Gästen zum neunzigsten Jubiläum brauchte sich die Marinekameradschaft Kiel von 1914 am 6. März 2004 wirklich nicht zu beklagen. Sieht man ganz von den gastronomischen Vorzügen des attraktiven Vereinsheims am Ufer der Kieler Förde, nahe dem wohl vornehmsten Stadtteil der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt, ab, dann ist die Kieler Kameradschaft natürlich auch eine lokale Institution, und dies gilt sowohl in Bezug auf die Kommune wie natürlich auch für die ansässigen Marinedienststellen. Daher war es eben auch nicht verwunderlich, dass sich unter den etwa 200 Gästen der feierlichen Veranstaltung neben Konteradmiral Uwe Kahre, Befehlshaber Wehrbereichskommando II Küste, und Flottillenadmiral Wolfgang Kalähne, Kommandeur der Marinefliegerflottille, auch Kiels stellvertretender Stadtpräsident Bernd Heinemann befand.
Wesentlichen Anteil an der Jubiläumsfeier hatte auch Seemannspastor Axel Matyba, der dem Jubiläum mit einem Gottesdienst einen ganz besonderen Rahmen gab.
Festredner Dr. Dieter Hartwig
Dem Festredner Dr. Dieter Hartwig, Beratender Historiker des Deutschen Marinebundes und Mitglied der Marinekameradschaft, kam es dann zu, in seinem Vortrag ,,90 Jahre Marinekameradschaft Kiel" die Entwicklung dieser rührigen Gemeinschaft Seefahrtsinteressierter und ehemaliger Marineangehöriger zu beleuchten.
Gegründet wurde die Marinekameradschaft am 12. März 1914 als "Verein ehemaliger Unteroffiziere der Kaiserlichen Marine, Kiel". Die meisten Angehörigen der neuen Gruppierung waren vorher Mitglieder im Marineverein "Prinz Heinrich zu Preußen", dem ältesten der sechs Kieler Marinevereine. Da dieser mit rund 700 Mitgliedern sehr groß war und die meisten Mitglieder darüber hinaus Reservisten aller Dienstgradgruppen waren, mag es verständlich erscheinen, dass sich die ehemaligen kaiserlichen Unteroffiziere eines Tages selbständig machen wollten.
Auch nach dem Ende des Ersten Weltkriegs blieb der Verein vor allem ein Zusammenschluss ehemaliger Unteroffiziere. Im Jahr 1936 gab sich der Verein schließlich den Namen "Kameradschaft". Darüber hinaus wurde in diesem Zusammenhang auch die Satzung bearbeitet. Schließlich spielte der Dienstgrad "Unteroffizier" keine Rolle mehr, die Kameradschaft öffnete sich auch für ehemalige Angehörige anderer Laufbahnen. Wie viele andere Organisationen auch, wurde die Marinekameradschaft schließlich mit Ende des Zweiten Weltkriegs aufgelöst.
Mit Gründung der Bundesrepublik Deutschland am 7. September 1949 wurde auch Vereinsleben wieder möglich, und bereits im Januar 1953 trafen sich in der Kieler "Seeburg" 25 ehemalige Mitglieder und berieten unter der Führung von Paul Grönwoldt, der die Geschicke der Kameradschaft bereits seit 1937 gelenkt hatte, die Wiedergründung.
Am 21. Februar 1953 wurde die neue Kameradschaft schließlich im alten Vereinsheim, dem "Kaiser Friedrich", gegründet. Paul Grönwoldt war wiederum ihr erster Vorsitzender.
Verein ehemaliger Unteroffiziere der Kaiserlichen Marine
Später hatte die "Marinekameradschaft Kiel von 1914" schließlich auch erheblichen Anteil an der Wiedergründung des Deutschen Marinebundes, dessen Satzungsinhalte und Verbandsziele die Kieler bis zum heutigen Tag mit Nachdruck unterstützen.
Ein weiterer Markstein in der Entwicklung war auch die Planung und der Bau des neuen Vereinsheimes. Über 60 Jahre lang trafen sich die Mitglieder in der Gaststätte "Kaiser Friedrich" am Kieler Wilhelmplatz. Als dieses Lokal geschlossen wurde, fasste man schließlich den zukunftweisenden Entschluss, für ein eigenes Vereinsheim zu sparen.
Die Grundstücksfrage konnte nach zähen und langwierigen Verhandlungen mit der Stadt Kiel gelöst werden. Dem damaligen Vorsitzenden, Hannes Nier, gelang es,
ein attraktives Grundstück auf Erbpachtbasis zu erhalten. Nach langwierigen Finanzierungsverhandlungen und Überwindung vieler Schwierigkeiten konnte schließlich 1989 mit dem Bau des Heimes begonnen werden. Schon im Oktober 1990 konnte das schmucke Heim im Beisein des damaligen DMB-Präsidenten, Konteradmiral Hans-Arend Feindt, eingeweiht werden. Finanziert wird es bis zum heutigen Tag vor allem aus Beiträgen und Spenden der Mitglieder und durch die selbstlose Mitarbeit vieler Kameraden.
Vorsitzender der Marinekameradschaft Kiel von 1914 ist seit 1998 Klaus Schotte. Schotte hat schließlich auch wesentlich dazu beigetragen, dass sich die Kameradschaft in diesem Jahr einer ganz besonderen Herausforderung stellt.
Herausforderung: Abgeordnetentag 2004
Kieler sind nämlich die Ausrichter des diesjährigen Abgeordnetentags des Deutschen Marinebundes, der vom 11. bis 13. Juni in der schleswig-holsteinischen Landeshauptstadt durchgeführt wird. Und in diesem Jahr handelt es sich um einen ganz besonderen Abgeordnetentag, denn der Deutsche Marinebund begeht parallel auch den 50. Jahrestag der Rückgabe des Marine-Ehrenmales in Laboe aus alliierter Beschlagnahme.
Die "Kieler von 1914" haben also auch in diesem Jahr alle Hände voll zu tun, um ihre wertvolle Unterstützung und Hilfsbereitschaft für den Deutschen Marinebund zu demonstrieren. Und erfolgreich werden sie dabei wiederum allemal sein.
Artikel aus "Leinen los!", Heft 3 - Juni / Juli 2004, mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Henze
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Festrede "90 Jahre MK Kiel" von Dr. Dieter Hartwig
-ein würdiger Anlass für einen Blick in die Geschichte
"Auf den Tag heute vor 90 Jahren, am 6. März 1914 fand die Gründungsversammlung desjenigen Vereins statt, in dessen Geschichte und Tradition sich unsere Marinekameradschaft Kiel v. 1914 sieht – des „Vereins ehemaliger Unteroffiziere der kaiserlichen Marine.“ Es ist nicht sicher, ob es im Namen hieß ‚kaiserliche Marine’ oder nur ‚Marine.’ Wie dem auch sei: Diese Vereinsgründung war insofern ein besonderes Ereignis, als es sich um die Abspaltung aus dem „Marineverein Prinz Heinrich von Preußen“ handelte. Dieser war schon 1890 gegründet worden und hatte sich verdient gemacht mit der Initiative zur Gründung des Deutschen Marine-Bundes 1891, um den es hier und heute aber nicht weiter gehen soll. Vielmehr versuche ich nachzuempfinden, warum und in welcher Situation der „Verein ehemaliger Unteroffiziere der Marine“ gegründet wurde.
Als Grund wird in früheren Darstellungen die Größe des Ursprungsvereins mit 700 Mitgliedern genannt. Man muss sich das in etwa vorstellen wie die Besatzung eines Linienschiffes der kaiserlichen Marine: In einer bis zu 1.000 Mann starken Besatzung sind die einzelnen Dienstgradgruppen nur in ihren Messen unter sich. Nur dort, wo man unter sich und seines Gleichen ist, fühlt man sich freier, und wahrscheinlich fühlten sich die Mitglieder des „Vereins ehemaliger Unteroffiziere“ in ihrem eigenen Verein z. B. bei Gespräche auf der Basis gemeinsamer Erlebnisse einfach wohler. Ich verstehe die Ausgründung also nicht als Protest gegen den „Marineverein Prinz Heinrich v. Preußen“, sondern als Suche nach Heimat.
Nachdem so die Frage nach dem Warum einigermaßen beantwortet ist, geht es nun um die Frage: Wie war die Situation im März 1914? Damals herrschte Friede! Schon seit mehr als 40 Jahren. Die Schiffe der kaiserlichen Marine befuhren alle Weltmeere, nach dem Motto in der Marineschule Mürwik:
„Den Frieden zu wahren, gerüstet zum Streit, mit flatternden Fahnen, im eisernen Kleid, so tragt deutsche Schiffe, von Meere zu Meer, die Botschaft von Deutschland, den Frieden umher.“
Zwar waren Schiffe und Besatzungen auch in kriegsähnliche Vorkommnisse verwickelt – ich erinnere nur an die grausame Niederschlagung des Herero-Aufstandes vor 100 Jahren auch mit Marinetruppen, auch konnte niemand die seit 1908 gebauten Linienschiffe und Schlachtkreuzer nur als ‚Spielzeuge’ betrachten – aber an Krieg dachte im März 1914 sicher niemand. Und schon gar nicht an einen solchen, wie er dann nur fünf Monate später ausbrach – mit nur vereinzelten Gefechten und mit der nur zufällig zustande gekommenen Skagerrakschlacht, die zwar als deutscher Sieg in die Marinegeschichtsschreibung einging, eine Entscheidung aber nicht brachte. Vielmehr bewirkte ihr Ergebnis gerade jene Untätigkeit der Schlachtflotte, aus der heraus sich Gehorsamsverweigerungen, Meuterei und Revolution 1918 entwickelten.
Damit sah die Welt unserer Vereinsvorgänger extrem anders, genauer: düsterer aus, als nur 4 ½ Jahre zuvor, als ‚Glanz und Gloria’ herrschten. Jetzt war der „Große Krieg“ verloren; das Kaiserreich gab es nicht mehr, und daran war die Marine mitschuldig; ihre stolzen Schiffe mussten dem Gegner ausgeliefert werden und lag selbstversenkt in Scapa Flow; die Wirtschaft lag am Boden; insbesondere der für Kiel wichtige Schiffbau.
Man kann sich vorstellen: Das Bedürfnis nach Zusammenrücken, nach Anlehnung, nach Schicksalsgenossen muss stark gewesen sein. Dass der Verein lebte, zeigt eine Eintragung ins Vereinsregister vom März 1921 – unser leider schon verstorbener Kamerad Nitzschke schrieb vor zehn Jahren, damals wäre im Namen das Wort ‚kaiserliche’ gestrichen worden – auch das sicher mit Trauer. Man arrangierte sich mit den Gegebenheiten. An ein Wiederaufleben des Kaiserreichs glaubte niemand – aber die Reichsmarine fuhr noch bis zum Ende des Jahres 1921 unter der kaiserlichen Kriegsflagge! Und anschließend blieb es für Kriegs- und Handelsschiffe bei schwarz-weiß-rot, obwohl doch die neuen Reichsfarben schwarz-rot-gold waren – aber die fanden nur im linken Obereck Platz. Man kann sich vorstellen, dass gerade aktive und ehemalige Marineangehörige eine der ersten Maßnahmen unter nationalsozialistischer Herrschaft, nämlich die Rückkehr zu den Staatsfarben schwarzweißrot im März 1933, begrüßten. Das galt sicher auch für den gesamten Regierungs- und Systemwechsel, von dem sich wohl die meisten Deutschen einen wirtschaftlichen Aufschwung versprachen, aber auch eine Zunahme an politischer Bedeutung im Konzert der Großmächte – und damit verbunden eine wieder größere Marine, statt jener ‚Mini-Marine’ des verhassten Versailler Vertrages. Die Schrecken des ‚Dritten Reiches’ dagegen - Unterdrückung, Entrechtung, Krieg - waren für die Mitglieder des „Marinevereins ehemaliger Unteroffiziere der Marine“ kaum vorhersehbar. Die Umbenennung des Vereins in „Marinekameradschaft ehemaliger Unteroffiziere der Marine e. V., Kiel“ (1936) und später (1939) in „Marinekameradschaft Kiel v. 1914 e. V.“ wird keine Aufregung verursacht haben.
Unter diesem Namen lebte unsere Kameradschaft im Februar 1953 wieder auf – die Gründungsmitglieder hatten sich im Januar in der nahegelegenen SEEBURG unter der Führung des bisherigen und neuen Vorsitzenden, Paul Grönwoldt [Vater unseres Ehrenmitgliedes Werner Grönwoldt], getroffen. Acht Jahre nach dem zweiten verlorenen Weltkrieg mit seinen schrecklichen Folgen - insgesamt ca. 55 Millionen Tote weltweit, viele Millionen Vertriebene; viele, wenn nicht alle größeren Städte in Europa und Deutschland in Schutt und Asche. So auch Kiel – und die wegen der Aufrüstung des ‚Dritten Reiches’ erneut stark marineorientierte Arbeitswelt wieder am Boden. ‚Nie wieder Militär’ war die Tagesparole – es wurde aber (wir sind im Jahr 1953!) doch wieder über deutsche Soldaten gesprochen. Ohne dies weiter ausführen zu können, stellen wir uns die verunsicherte Situation unserer Vorgängerkameraden vor – und haben Verständnis für die erneute Suche nach Anlehnung und Geborgenheit im Kameradenkreis.
Mit diesem Neubeginn nach 31 aktiven Jahren und achtjährigem Stillstand begann der zweite, längere Lebensabschnitt unserer Marinekameradschaft – es ist ja mehr als nur ein Zahlenspiel:
Die im Kaiserreich gegründete „Marinekameradschaft Kiel v. 1914“ existiert nun 51 Jahre im demokratischen Staatswesen der Bundesrepublik Deutschland. Das Festhalten an den Ursprüngen wird deutlich im kaum bekannten Namenszusatz „Traditionskameradschaft des Bundes Deutscher Marinevereine von 1891, Kiel“ – er kam 1961 auf Anregung des damaligen Präsidenten des Deutschen Marinebundes e. V., Ernst Lucht, hinzu. Ich denke – unsere Marinekameradschaft kann die Verleihung dieses Namenszusatzes als einen Höhepunkt ihrer Geschichte betrachten.
Weitere Höhepunkte waren die Entscheidung und Verwirklichung zum Bau dieses Vereinsheimes in exquisiter Lage. Es zu erhalten, ist alle Mühen Wert. Wir Heutigen und unsere Nachfolger sollten mit Hochachtung jener gedenken, deren Bemühungen 1989 zum Beginn des Baus und zur Einweihung am 12. Oktober 1990 führten. Diese Hochachtung gilt auch den folgenden Vorständen sowie dem jetzigen und unserem Wirt – denn deren Anstrengungen ist es zu verdanken, dass andere Vereine hier tagen, wobei ich ganz besonders den Nautischen Verein zu Kiel erwähne! Es ist hier so etwas wie ein Keim zu einem maritimen Verbund gelegt, der dieses Vereinsheim verstärkt als maritime Begegnungsstätte nutzen könnte.
Noch zwei Aspekte aus der Geschichte der „Marinekameradschaft Kiel v. 1914“ und ihren Tätigkeitsfeldern möchte ich erwähnen: Die MK Kiel leistet Jugendarbeit , indem sie der Marinejugend Kieler Förde e. V. im Erdgeschoss dieses Vereinsheim sehr kostengünstig Räume in bester Lage zur Verfügung stelle. Für die Basisarbeit gebührt der MK Kiel uneingeschränkte Anerkennung und Dank! Am anderen Ende der Vereinsarbeit richtete die MK Kiel seit ihrer Wiedergründung 1953 drei Abgeordnetentage des Deutschen Marinebundes, des Dachverbandes aller MKs und MVs, aus. Und der vierte steht im Juni diesen Jahres bevor. Damit wird der Deutsche Marinebund in seiner gesamten Geschichte sieben Mal in Kiel getagt haben - so oft wie in keiner anderen Stadt, auch öfter als in Wilhelmshaven. Insofern ist Kiel noch immer die deutsche ‚Marinehauptstadt’.
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kameradinnen und Kameraden – die Geschichte der „Marinekameradschaft Kiel v. 1914“ ist so bewegt wie die deutsche Geschichte. Es gab Höhen und Tiefen und wieder Höhen. Wie es eben auf See so ist – Idylle herrscht dort nur in der Vorstellung von „Landratten“. Dass es ein 90jähriges Jubiläum geben würde, konnten die Gründungsväter nur hoffen; was bis dahin geschehen würde, konnten sie sich nicht vorstellen. Wir hoffen auf das 100jährige Jubiläum – und nehmen uns vor, alles zu tun, damit es auch erreicht wird."
Festrede (6. März 2004) mit freundlicher Genehmigung von FKpt a.D d.R. und Mitglied der MK Kiel Dr. Dieter Hartwig
Vielen Dank Kamerad Dieter!
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Die Marinestadt Kiel
von Albert Nitzschke, ergänzt von Klaus Schotte
Die Tradition Kiels als Marinestadt begann mit dem Jahre 1865. Am 24.06.1865 verlegte die preußische Flotte unter ihrem Admiral JACHMANN die Marinestation der Ostsee von Danzig nach Kiel. Das Bild dieser kleinen Handels- und Universitätsstadt an der Förde mit ihren kaum 20.000 Einwohnern wurde von nun an durch die Marine geprägt:
Durch die im Laufe der Zeit auf dem Ostufer entstandenen Werften, die fast ausschließlich für den Kriegsschiffbau tätig waren, wurde Kiel zu einer der bekanntesten Schiffbaustädte Europas. Die Marine gab den entscheidenden Anlass zum Bau des Nord-Ostsee-Kanals, eine der meistbefahrensten Wasserstraßen der Welt, – und schließlich wurde die „Kieler Woche“ wegen der Förderung des Segelsports durch die Marine zu einem Begriff für die Segler in allen fünf Erdteilen.
Wodurch wurde das Interesse der Marine in Kiel geweckt?
Kiel besitzt in der Förde - und zwar in ihrem inneren Teil - einen ausgezeichneten Naturhafen. Mit einer Länge von etwa 9 km und einer Breite von fast 3.000 m zwischen Möltenort und Holtenau ist dieser Hafen groß genug, um nicht nur eine große Anzahl Handelsschiffe, sondern auch einen starken Flottenverband aufzunehmen. Der Hafen wird zudem durch die Enge bei Friedrichsort vor der bei stürmischen Winden entstehenden rauen See geschützt.
Diese nur etwa 800 m breite Öffnung konnte sehr leicht verteidigt werden. Darum legten die Dänen zu Beginn des dreißigjährigen Krieges hier eine Festung an. Sie nannten sie „Christianspries“.
Später wurde diese Festung geschleift, dann aber 1663 wieder aufgebaut.
Nun erhielt sie zu Ehren des dänischen Königs Friedrich IV den Namen „Friedrichsort“.
Die günstige Lage des strom- und gezeitenfreien Hafens (der Tidenhub in der Ostsee beträgt nur etwa 0,20 m, tritt also kaum in Erscheinung) war wohl der Grund, dass vor über 100 Jahren die Preußen so großes Interesse an ihm zeigten. Willkommener Anlass, sich in seinen Besitz zu setzen, bot der deutsch-dänische Krieg im Jahre 1864, der von Preußen und Österreich gemeinsam geführt und siegreich beendet worden war.
Im Friedensvertrag zu Wien am 30.10.1864 musste Dänemark die Herzogtümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an die Sieger abtreten.
Während das Herzogtum Schleswig und auch Lauenburg von den Preußen verwaltet wurde, gehörte Holstein – und damit auch Kiel – zum Besatzungsgebiet Österreichs.
In der sogenannten „Gasteiner Konvention von 1865“ erreichte es Preußen, den Hafen von Kiel als Kriegshafen und Stützpunkt für seine Flotte zu erhalten. Als dann Admiral JACHMANN mit seinem Geschwader in die Förde einlief, wurde Kiel zu einer zweigeteilten Stadt: Die Verwaltung der Stadt unterstand dem österreichischen Statthalter, während die Preußen die polizeiliche Gewalt über das Hafengebiet, die Wasserfläche des Hafens und die Festung Friedrichsort hatten.
Die Waffenbrüderschaft und das anfangs gute Einvernehmen zwischen Österreichern und Preußen hielten jedoch nicht lange an. Es traten bald Spannungen auf, die schließlich im Sommer 1866 zum Kriege führten.
Das preußische Heer war schlagkräftiger und Österreich wurde in der Schlacht bei Königsgrätz besiegt.
Im Friedensvertrag zu Prag am 23.08.1866 musste Österreich alle Ansprüche an Schleswig, Holstein und Lauenburg an Preußen abtreten.
Die von der Mehrheit der schleswig-holsteinischen Bevölkerung bereits nach dem deutsch-dänischen Krieg von 1864 erhoffte politische Selbständigkeit unter ihrem Herzog Friedrich VIII von Augustenburg erfüllte sich nicht.
Weihnachten 1866 wurden die Landesteile Schleswig und Holstein als „Provinz Schleswig-Holstein“ dem Königreich Preußen einverleibt.
Durch die gewaltsame Trennung der Herzogtümer von Dänemark wurden natürlich auch die wirtschaftlichen Bindungen nach dem Norden unterbrochen. Besonders die Stadt Kiel bekam dies zu spüren.
Jetzt aber trat die Marine als neuer Wirtschaftsfaktor für die Stadt auf.
Kiel war nicht nur Kriegshafen, sondern auch Garnison für die Landtruppenteile der Marine. Matrosen- und Seeartillerie und das Seebataillon wurden hierher verlegt und eine Marineschule für die Seeoffizierausbildung eingerichtet. Zugleich wurden Depots für die Flotte bei der Seebadeanstalt Düsternbrook angelegt und im Sommer 1867 bei dem Fischerdorf Ellerbek an der Schwentinemündung ein „Marine-Etablissement“ Marinearsenal errichtet, das sich dann einige Jahre später zur kaiserlichen Werft ausweitete.
Bis zur Jahrhundertwende etwa war es üblich, die Kriegsschiffe während des Winters außer Dienst zu stellen, um Betriebs- und Unterhaltungskosten zu sparen. Die Segel und das gesamte „laufende Gut“ (Tauwerk) wurde abge-schlagen, die Kanonen ausgebaut und alles im Arsenal eingelagert, während die Schiffsbesatzungen an Land in Kasernen untergebracht wurden.
Im Jahre 1867 ging die preußische Flotte in die Marine des norddeutschen Bundes auf. Von nun an wehte auf den Kriegsschiffen im Hafen und über der Festung Friedrichsort die schwarz-weiß-rote Bundesflagge.
Inzwischen waren zwischen Preußen und Frankreich politische Spannungen aufgetreten und am 19.07.1870 erklärte Frankreich an Preußen den Krieg.
Für den Kriegshafen Kiel bestand nun die Gefahr, von dem in der Ostsee kreuzenden französischen Flottenverband angegriffen oder aber blockiert zu werden. Die wenigen Kriegsschiffe des norddeutschen Bundes waren keineswegs in der Lage, das an Kampfkraft weit überlegene französische Geschwader zu vertreiben. Deshalb wurde die Festung Friedrichsort in Verteidigungszustand versetzt, ihre Wälle verstärkt und eine bessere Armierung mit neuen Krupp-Geschützen vorgenommen.
Im Übrigen beschränkte sich Preußen auf den Schutz der schleswig-holsteinischen Küste durch das Seebataillon.
In der damaligen Zeit bestand die Aufgabe der Marine vornehmlich darin, „verlängerter Arm“ des Landheeres zu sein, das heißt, die Flanken der Armee nach See zu und die Küste selbst zu schützen. Deshalb standen im Allgemeinen an der Spitze der Marine ausschließlich Heeresoffiziere, wie die Generäle ROOF, STOSCH und von CAPRIVI.
Erst der junge Kaiser WILHELM II machte nach seiner Regierungsübernahme im Jahre 1886 die Marine „mündig“ und stellte an ihre Spitze einen Seeoffizier, Vizeadmiral Graf von MONTS.
Im Kriege 1870/71 unterstand die Küstenverteidigung Schleswig-Holsteins dem preußischen General von FALCKENSTEIN. Später erhielt ein Fort der Festung Friedrichsort seinen Namen, das in unmittelbarer Nähe des heutigen Badestrandes an der Kieler Förde lag, den „Falckensteiner Strand“.
Nun, die Geschütze der Festung Friedrichsort bekamen während des deutsch-französischen Krieges nichts zu tun, obwohl der französische Flottenverband zeitweise auch in der Kieler Bucht gesichtet wurde.
Der entscheidende Abschnitt für Kiel als Marinestadt begann mit der Errich-tung des deutschen Kaiserreiches durch BISMARCK am 18.01.1871.
Aus der „Norddeutschen Bundesmarine“ war die „Kaiserliche Marine“ geworden. Auf Grund der Reichsverfassung vom 16.04.1871 erhielt der Kieler Hafen die Bezeichnung „Reichskriegshafen“. Dies bedeutete zugleich einen Ausbau des Hafens zum größten Flottenstützpunkt des Reiches und damit auch eine weitere wirtschaftliche Belebung der Stadt.
Die auf dem Ostufer entstandene „Kaiserliche Werft“, die die Kriegsschiffe instandsetzte und ausrüstete, baute nun auch neue Kriegsschiffe.
Der erste Neubau, ein Panzerschiff, lief dort bereits 1874 vom Stapel.
Die Garnison wurde durch weitere Landtruppenteile, wie Matrosendivision und Werftdivision verstärkt. Aber es wurden nicht nur Marinesoldaten, sondern auch Heeressoldaten nach Kiel verlegt.
Mit dieser Heereseinheit (es handelte sich um das 3. Bataillon des Infanterieregimentes „Herzog von Holstein“ Nr. 85) hing auch der Ausdruck „Fünfundachtziger“ für alle Soldaten, die nicht der Marine angehörten, zusammen.
Es ist erstaunlich, dass sich diese Regimentsnummer den Matrosen so eingeprägt hatte.
Die Erklärung liegt wahrscheinlich darin, dass jeder Angehörige der Marine in der Vorkriegszeit öfter mit seinem Schiff nach Kiel kam. Hier traf er immer wieder auf Infanteristen, die, wie es früher üblich war, auf ihren Schulterklappen die Nummer ihres Regiments - also hier „85“ - trugen.
So bildete sich bei den Matrosen die Vorstellung, alle Heeressoldaten seien „Fünfundachtziger“.
In seinem Buch „Splissen und Knoten“ hat später Peter Ernst EIFFE, ein Seeoffizier der kaiserlichen und der Kriegsmarine, eine ganze Reihe heiterer Geschichten über die „Fünfundachtziger“ erzählt.
Auf der „Kaiserlichen Werft“ waren Marine-Schiffbauingenieure mit dem Bau der Kriegsschiffe beschäftigt. Diese Kriegsschiffe besaßen noch eine Takelage, als eine Besegelung, waren aber schon mit Dampfmaschinen ausgestattet. Neben die Seeoffiziere an Bord traten nunmehr die Marine-Ingenieure, die für den Schiffsantrieb verantwortlich waren.
Einer dieser jungen Ingenieure, der Marine-Ingenieur-Aspirant Gustav SONNTAG aus Berlin, brachte eines Tages eine bisher an der Förde kaum bekannte Sportart nach Kiel: das Segeln.
Sonntag kannte das Segeln „um des Vergnügens halber“ von der Havel und dem Wannsee her, wo bereits seit 1830 sportlich gesegelt wurde.
Angesichts des wunderbaren, strom- und gezeitenfreien Segelreviers, das die Kieler Förde bildete, ließ sich der junge Marineingenieur im Winter 1874/75 bei einem Bootsbauer am „Kleinen Kiel“ einen „Lustkutter“ bauen, wie man damals ein solches sportliches Segelfahrzeug nannte, und segelte damit im Frühjahr 1875 auf der Kieler Innenförde. Dieser Sport fand sofort begeisterte Anhänger, sowohl bei Marineoffizieren als auch bei Kieler Bürgersöhnen.
In diesen Kreis segelbegeisterter junger Leute kam einige Zeit später der Marine-Schiffbauingenieur SAEFKOW aus Danzig, ein erfahrener Sportsegler und zugleich ein ausgezeichneter Jachtenkonstrukteur. SEAFKOW war Mitglied des Königsberger Segelclubs „Rhe“ und nun zur „Kaiserlichen Werft“ nach Kiel versetzt.
Unter SEAFKOWs Leitung, assistiert durch den Marine-Schiffbauingenieur BUSLEY und den Unterleutnant zur See AHRENHOLD, einem später bekannten Kieler Marinemaler, veranstaltete man nun auf dem Kieler Hafen untereinander Wettfahrten.
Eine solche Regatta zwischen Segeljachten auf der Innenförde im Sommer 1881 wurde vom Ostufer der Förde aus vom Hamburger Kaufmann WENZEL und seinem Schwager DROEGE beobachtet, die sich gerade auf dem Gut Schrevenborn, dem Besitz WENZELs, aufhielten. Beide Herren waren Vorstandsmitglieder des „Norddeutschen Regattavereins“, der sich zur Aufgabe gemacht hatte, die Regatten im Ruder- und Segelsport in Hamburg neu zu ordnen und zu fördern.
Sie verabredeten mit den Kieler Veranstaltern für das folgende Jahr eine gemeinsame Wettfahrt zwischen Hamburger und Kieler Seglern.
Diese erste offizielle Segelwettfahrt fand auf der Kieler Förde am 23. Juli 1882 statt und wurde zum Geburtstag der heute weltberühmten „Kieler Woche“.
Am Start waren 20 Yachten und Sieger wurde Unterleutnant zur See AHRENHOLD mit der von Marine-Schiffbauingenieur SEAFKOW konstruierten Yacht „Lolly“.
Von jetzt an führte man alljährlich Wettfahrten auf der Kieler Förde durch.
Die Initiative hierzu ging von den Marineoffizieren aus, die bereits 1883 den „Friedrichsorter Regattaverein“ und im Jahr 1887 in Kiel den „Marine-Regattaverein“ gründeten, aus dem 1891 der „Kaiserliche Yachtclub“ und 1946 dann der heutige „Kieler Yachtclub“ hervorgingen.
Preußen besaß bereits seit 1853 in der Nordsee einen Flottenstützpunkt – das im Jadebusen 1869 fertiggestellte Wilhelmshaven. Dort befand sich auch die Marinestation der Nordsee.
Wie die Erfahrung bisher gezeigt hatte, waren die Zufahrten zur Ostsee, der Sund und die Belte, in Kriegszeiten leicht zu sperren oder zur blockieren.
Die Kaiserliche Marine stand nun vor der Frage, ob sowohl in der Ostsee als auch in der Nordsee je ein starker Flottenverband aufgestellt und unterhalten werden sollte, der für sich allein operieren konnte, oder, ob es zweckmäßiger sei, eine gefahrlose Verbindung zwischen Nord- und Ostsee zu schaffen.
Man kam schließlich zu dem Ergebnis, dass eine für Kriegsfahrzeuge benutzbare Kanalverbindung eine strategische Notwendigkeit sei.
Der Kieler Hafen besaß bereits mit dem 43 km langen Schleswig-Holstein-Kanal (Eider-Kanal) und der Eider, die bei Tönning in die Nordsee mündet, eine derartige Ost-West-Verbindung. Die sechs Schleusen dieses Kanals mit ihren Abmessungen von 35 m Länge, 7,80 m Breite und 3,50 m Tiefe ließen aber nur Schiffe bis zu 400 Tonnen passieren. Für diese etwa 180 km lange Strecke benötigte ein Segelschiff insgesamt vier Tage.
Dampffahrzeuge haben zwar später diesen Weg in etwa 40 Stunden zurückgelegt, für Kriegsschiffe war aber im Allgemeinen ein Passieren dieses Kanals wegen ihrer Abmessungen nicht möglich. Große Schiffe mussten daher den gefährlichen Weg um das Kap Skagen nehmen, wo alljährlich immer wieder Schiffe auf der Westseite der zimbrischen Halbinsel in der Jammerbucht strandeten.
Nach dem Krieg von 1870/71 stiegen der deutsche Handel und der Seeverkehr sprunghaft an. Aufgabe der Marine war jetzt nicht mehr allein der Schutz der heimischen Küsten, sondern vor allem die Sicherheit des deutschen Seehandels und der wirtschaftlichen Interessen im Zuge der deutschen Kolonialpolitik.
Es wurde deshalb zwingende Notwendigkeit für die Schifffahrt – und zwar besonders für die Kriegsfahrzeuge – eine schnelle und sichere Verbindung zwischen Nord- und Ostsee zu schaffen.
Angeregt durch die Planung und den Bau des 1869 fertiggestellten Suez-Kanals wurden bereits um die Mitte des 19.Jahrhunderts eine Reihe von Plänen untersucht, wie Schleswig-Holstein am günstigsten mit einem Schifffahrtskanal durchstochen werden könne.
Wegen der sich dauernd verändernden und damit für die Schifffahrt äußerst gefährlichen Sände vor der schleswig-holsteinischen Westküste war man sich darüber einig, dass ein Schifffahrtskanal südlich der Linie Tönning–Schleswig verlaufen müsse. Man dachte dabei auch an das tiefe Wasser der Unterelbe. Zugleich wurde die Möglichkeit untersucht, den 1777-1784 erbauten Eider-Kanal an die inzwischen veränderten Schiffsgrößen anzupassen.
Diesen Plan gab man aber wegen der gefährlichen Barre vor der Eider-mündung bald wieder auf.
Besonderes Interesse fand der Vorschlag des Geh. Oberbaurates LENTZE, der einen Kanal von St. Margarethen (nördlich von Glückstadt/Elbe) nach Eckernförde bauen und dann mit einem Stichkanal nach Kiel gehen wollte.
Günstig an diesem Projekt war zwar die geräumige Reede auf der Elbe, ungünstig aber der östliche Ausgang. Die Eckernförder Bucht ist zu breit, um wirksam „fortificatorisch“ geschlossen zu werden. Ein Ausgang des Kanals in Kiel war zwar günstiger zu befestigen, man befürchtete jedoch, dass sich im Kieler Hafen die Kriegs- und Handelsschiffe gegenseitig stören könnten.
Eine gänzlich andere Trassierung schlug 1861/62 der Ingenieur KRÜHNKE vor, der seinen Kanal zwar ebenfalls von St. Margarethen beginnen, ihn aber bei Haffkrug in der Neustädter Bucht enden lassen wollte. Da dieser Kanal aber den mittelholsteinischen Höhenrücken überwinden musste, sollte er sechs oder sieben Schleusen erhalten.
Die Mündung eines Nord-Ostsee-Kanals in der Neustädter Bucht wurde sogar von Preußen als die strategisch beste Lösung angesehen, da der Kanal benutzt werden konnte, „ohne unter dänischen Kanonen zu passieren“.
Die Bestrebungen zum Bau eines Kanals und zwar insbesondere das von LENTZE vorgeschlagene Projekt, wurden zunächst durch Generalfeldmarschall Graf von MOLTKE gehemmt, der sich am 23.06.1873 vor dem Reichstag gegen einen Kanalbau aussprach. Er führte aus:
„Wenn wir geneigt sind, für maritim-militärische Zwecke eine Summe von 40 bis 50 Millionen Thalern auszugeben, dann würde ich Ihnen vorschlagen, statt eines Kanals für eine Flotte, eine zweite Flotte zu bauen“.
Graf von MOLTKE tat diesen Ausspruch wohl in der Hoffnung, dass bei einer Ablehnung durch den Reichstag ein solcher Schifffahrtskanal mit privaten Mitteln finanziert werden würde, wie dies beim Bau des Suez-Kanals der Fall war. Reichskanzler von BISMARCK befürwortete dagegen einen Kanalbau, da er mit der Volksstimmung rechnen musste.
Das Volk war nämlich für einen Schifffahrtskanal, aber gegen den Bau einer großen Flotte.
Da zunächst keine Einigung erzielt werde konnte, ruhte das Projekt.
Ende der 70er Jahre aber ließ der Hamburger Reeder DAHLSTRÖM auf seine Kosten das LENTZ’sche Projekt überarbeiten und legte diesen Entwurf dem „Königlich-Preußischen Minister für öffentliche Arbeiten“ vor.
Auf Anordnung Kaiser Wilhelm I beschäftigte sich der Reichstag im Jahre 1883 erneut mit dem Kanalproblem. Mit Erlass vom 17.06.1886 wurde dann endlich der Kanalbau mit Staatsgeldern genehmigt.
Von den veranschlagten Kosten von 156 Mill. Mark übernahm Preußen 50 Mill. Mark, während das Reich die restliche Summe von 106 Mill. Mark aufbrachte.
Am 03.07.1887 erfolgte durch Kaiser Wilhelm I in Holtenau die Grundsteinlegung. Der Kanal kam als 100 km langer Durchstichkanal auf Mittelwasserhöhe der Ostsee auf der Linie Brunsbüttel–Rendsburg–Kiel zur Ausführung mit je einer Schleusenanlage an beiden Mündungen.
Nach achtjähriger Bauzeit konnte am 21.06.1895 der Enkel von Kaiser Wilhelm I, der junge Kaiser Wilhelm II, in Holtenau den Schlussstein setzen. Zum Gedächtnis an Kaiser Wilhelm I erhielt die Wasserstraße den Namen „Kaiser-Wilhelm-Kanal“.
Die Einweihungsfeier war für die Stadt Kiel zugleich das größte und glanzvollste Geschehen während der Kaiserzeit.
Hatte man geglaubt, dass dieser Kanal auf lange Zeit allen Anforderungen des Seeverkehrs genügen würde, so musste man doch bald feststellen, dass die 1886 angenommenen Abmessungen eines Zukunftsschiffes nicht nur von den Kriegsschiffen, sondern auch immer mehr von den Handelsschiffen übertroffen wurden.
Der Reichstag musste deshalb bereits im Jahre 1906 eine weitere Summe von 223 Mill. Mark bewilligen, um Kanallinie und -querschnitt zu verbessern und um größere Schleusen zu bauen. Diese Arbeiten waren dann im Jahre 1924 abgeschlossen. Zu Beginn der Kieler Woche 1914 konnte Kaiser Wilhelm II die neuen Schleusen in Holtenau einweihen und sie dem Weltverkehr übergeben. Sie stellten mit einer Nutzlänge von 350 m, Breite 45 m, Tiefe 14 m die damals größten Schleusen der Welt dar.
Zum Schutze dieser strategisch so wichtigen Kanalverbindung und des Kriegshafens schuf man an der Kieler Förde weitere Befestigungsanlagen. Mittelpunkt war die Festung Friedrichsort.
Bis zum Ausbruch des 1.Weltkrieges waren vorhanden
auf dem Westufer: die Forts HERWARTH, FALCKENSTEIN und HOLTENAU und auf dem Ostufer: die Forts STOSCH, KORÜGEN, RÖBSDORF, die Redoute HEIDBERG und der Panzerturm LABOE
Zum Schutze des Reichskriegshafens Kiel nach Land zu waren außerdem noch eine Anzahl Batterien auf beiden Seiten der Förde aufgestellt und durch sogenannte „Kolonnenwege“ miteinander verbunden.
Das Wachsen der Kieler Garnison sowie die Vergrößerung der Kieler Werften aufgrund des Flottenbauprogramms hatte natürlich auch ein Anwachsen der Einwohnerzahlen zur Folge.
Zunächst kaufte der Marinefiskus das Fischerdorf Ellerbek am Ostufer auf.
Das Dorf wurde teilweise abgetragen, um Hafenanlagen für die „Kaiserliche Werft“ zu gewinnen und sie flächenmäßig zu vergrößern. Durch die Schiffbauaufträge für die Marine wuchs neben den 1888 als Aktiengesellschaft gegründeten Howaldtswerken auch die 1902 von Friedrich KRUPP erworbene Germaniawerft in Gaarden, die bald zu einer der modernsten und leistungsfähigsten Werften der Welt wurde. Durch die Vergrößerung der Werften strömten immer mehr Arbeiter mit ihren Familien aus ganz Deutschland nach Kiel und die Stadt erweiterte sich zusehends.
Hier ein Blick auf die Bewegung der Einwohnerzahlen der Stadt:
• 1864: 18.770
• 1871: 31.764
• 1895: 85.600
• 1900: 108.000
• 1910: 211.000 (einschl. Randgemeinden)
Fast das gesamte Wirtschaftsleben Kiels war auf die Belange der Marine ausgerichtet, andere Erwerbszweige spielten nur eine untergeordnete Rolle.
Diese Abhängigkeit wurde besonders nach den beiden verlorenen Weltkriegen schmerzlich empfunden.
Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges am 02.08.1914 waren die Werften noch voll mit der Erfüllung des Flottenbauprogramms beschäftigt. Die im Hafen liegenden Flottenverbünde liefen zwar in der folgenden Zeit in die Ostsee oder Nordsee aus, blieben aber zumeist untätig. So wurden die Marinesoldaten (vor allem die Matrosen auf den „Dickschiffen“) im Allgemeinen nicht so eingesetzt, wie sie selber bei dem harten Ringen an allen Fronten gewünscht hatten. So mag es verständlich erscheinen, dass ein Teil von ihnen dem zersetzenden Gedankengut radikaler Kriegsgegner zugänglich wurde.
Am 1.11.1918 kam es zu Meutereien der Matrosen. Die Revolution nahm hier in Kiel ihren Anfang und hier forderte sie auch ihre ersten blutigen Opfer.
Nach Ende des 1.Weltkrieges musste die deutsche Flotte ausgeliefert werden. Die internierten Schiffe der Hochseeflotte versenkten sich selbst am 21.06.1919 in Scapa Flow.
Der im Friedensvertrag von Versailles dem Deutschen Reich zugestandenen Marine in Stärke von 15.000 Mann verblieben nur noch sechs alte Panzer-schiffe neben einigen kleinen Kreuzern.
Diese Verringerung bekam in erster Linie die Stadt Kiel zu spüren:
Alle Werften blieben ohne Beschäftigung. Hinzu kam noch die steigende Geldentwertung. Kiel geriet in eine wirtschaftlich katastrophale Lage.
Auch die Kaiserliche Werft konnte als nunmehrige Reichswerft zunächst nur Reparaturen durchführen.
Am 1.09.1919 wurde ein Teil dieser Werft – und zwar die Nordwerft in Ellerbek – in das „Marine-Arsenal Kiel“ umgewandelt.
Nach Angliederung des übrigen Teiles an die „Deutsche Werke AG“ in Berlin konnte eine gewisse betriebliche Umstellung vorgenommen werden. Es wurden zunächst Eisenbahntriebwagen hergestellt, bald aber folgten wieder Schiffbauaufträge für Reparationslieferungen in das Ausland.
Langsam gingen dann auch die Howaldtswerke und die Germaniawerft, die vor allem Reparaturarbeiten an Schiffen, Lokomotiven und Maschinen vor-nahmen, wieder zum Schiffbau über.
Das erste Kriegsschiff, das nach den Bestimmungen des „Versailler Vertrages“gebaut werden durfte, lief am 19.05.1931 bei den „Deutschen Werken Kiel“ vom Stapel. Es war das Panzerschiff DEUTSCHLAND, das später in LÜTZOW umgenannt wurde.
Der neue Schiffstyp, von dem noch zwei weitere Schiffe, die ADMIRAL SCHEER und die GRAF SPEE gebaut wurden, stellte im Kriegsschiffbau etwas völlig Neues dar. Die Schiffe hatten neben der Kampfkraft eines Schlachtschiffes die größere Geschwindigkeit eines Kreuzers und wurden von Dieselmotoren angetrieben. Man bezeichnete sie gern als „pocket-battle-ships“, als „Westentaschen-Schlachtschiffe“.
Die deutschen Werke Kiel bauten 1934 ein weiteres Kriegsschiff – und zwar die NÜRNBERG. Nach Wiedereinführung der Allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland und Umbenennung der „Reichsmarine“ in „Kriegsmarine“ am 01.05.1935 wurden auf der selben Werft das Schlachtschiff GNEISENAU (1936), der Schwere Kreuzer BLÜCHER (1937) und der einzige Flugzeug-träger der Kriegsmarine, der GRAF ZEPPELIN (1938), gebaut, der jedoch nie fertiggestellt wurde und als Torso an die Sowjetunion fiel. Auf der der Firma Friedrich KRUPP gehörenden Germaniawerft lief 1938 der Schwere Kreuzer PRINZ EUGEN vom Stapel. Bemerkenswert ist, dass die NÜRNBERG und die PRINZ EUGEN die beiden letzten kampffähigen Einheiten zum Ende des Krieges waren.
Durch die Verstärkung und Vergrößerung der Flottenstreitkräfte auf-grund des deutsch-britischen Flottenab-kommens vom 18.06. 1935 waren in der Mitte der dreißiger Jahre alle Werften im Kriegsschiffbau tätig, auch die Howaldtswerke, welche 1937 in den Besitz des Reiches übergingen und der Kriegsmarine un-mittelbar unterstanden.
Die Hilfsindustrien und die Ausrüstungsbetriebe stellten sich wieder ganz auf den Kriegsschiffbau um.
In Kiel wurden aber auch kleinere Einheiten, wie Zerstörer und U-Boote, gebaut. Vornehmlich auf den Halligen der Germaniawerft entstanden U-Boote. Diese Werft verfügte über die größte Erfahrung und hier lief am 04.08.1906 das erste brauchbare Tauchboot für die Kaiserliche Marine vom Stapel. Dieses mit einem Petroleummotor ausgerüstete Boot „U 1“ befindet sich heute in München im Deutschen Museum.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden auf dieser Werft die im Binnen-land gefertigten Sektionen des „absoluten Unterseebootes“ vom Typ XXI und XXII zusammengebaut.
Diese diesel-elektrischen Boote mit ihrer großen Unterwassergeschwindigkeit (bis zu 15 sm/h) konnten mit Hilfe des Schnorchels wochenlang unter Wasser operieren.
Erwähnt werden muss, dass 1850 in Kiel überhaupt das erste Unterwasserfahrzeug gebaut und auf der Kieler Förde erprobt wurde. Es war nach den Plänen des bayrischen Unteroffiziers Wilhelm BAUER konstruiert. Ein am Ende des Zweiten Weltkrieges von seiner Besatzung versenktes, 1956 gehobenes und wieder instandgesetztes U-Boot vom Typ XXI, das als Versuchsboot für die Bundesmarine fuhr, trug den Namen WILHELM BAUER.
In der Notzeit nach dem Ersten Weltkrieg betrieb Kiel eine bewusste Werbung, um Aufträge für seine Industrieunternehmen zu erhalten. Besondere Zugkraft erhoffte man sich von der früher in aller Welt bekannten „Kieler Woche“.
Es fehlten aber jetzt alle Voraussetzungen hierfür, denn die großen Segelyachten der Vorkriegszeit waren dem Krieg oder der Inflation zum Opfer gefallen. Außerdem war das Segeln noch kein Volkssport geworden.
Die „Kieler Woche“ wurde deshalb zu einer allgemeinen Sportwoche umgewandelt, d.h., zum Segelsport kam der Sport auf dem grünen Rasen.
Die Reichsmarine, später auch die Kriegsmarine, sah es als ihre Ehrenpflicht an, bei den Vorbereitungen und der Durchführung, vor allem der Segelregatten, mitzuhelfen. Es wurde durch den Marine-Regattaverein nicht nur materielle Hilfe gewährt, sondern die Marine lud fremde Marinen wieder nach Kiel ein und führte besondere Marine-Segelregatten durch.
Die „Kieler Woche“ bekam dann in den dreißiger Jahren wieder ihre alte internationale Bedeutung. Als 1936 die Olympischen Spiele in Berlin stattfanden, war es selbstverständlich, dass die Segelwettfahrten der Olympiade auf der Kieler Förde durchgeführt wurden.
Diese Segelolympiade war für Kiel das bedeutendste Geschehen zwischen den beiden Weltkriegen. Organisiert und durchgeführt wurden die Regatten der vier olympischen Klassen (Olympiajolle, Startboot, 6-m-R-Yachten und 8-m-R-Yachten) durch den Marine-Standortsportoffizier, Korvettenkapitän HAUCK.
Die Marine leistete materielle Hilfe und stellte die beiden Start- und Zielschiffe NAJADE und UNDINE zur Verfügung. Die Regatten der Olympiajollen und der Startboote fanden damals auf der Innenförde statt, denn man konnte die Schleusen des Nord-Ostsee-Kanals geschlossen halten, um die Wettkämpfe nicht zu stören.
Das konnte bei dem Verkehrsaufkommen dieser Wasserstraße für die olympischen Segelwettkämpfe 1972 schon nicht mehr durchgeführt werden.
Kurz vor der Segelolympiade, die vom 4. bis 14. August 1936 dauerte, wurde das Marine-Ehrenmal Laboe eingeweiht, nachdem bereits 1930 das U-Boot-Ehrenmal in Möltenort enthüllt worden war. Die Einweihungsfeier in Laboe fand am 31.05.1936 statt, dem 20. Jahrestag der Seeschlacht am Skagerrak. Erbaut wurde dieses einzigartige Ehrenmal aus den Spenden aller Marineangehörigen. Es steht an der Stelle des ehemaligen Panzerturmes und die unterirdische Gedenkhalle befindet sich im Sprengtrichter der früheren Kasematte.
Beim Passieren des Marine-Ehrenmales Laboe dippen alle Kriegsschiffe und auch viele Handelsschiffe die Flagge und ehren auf diese Weise die Gefallenen.
Bereits vor dem Ersten Weltkrieg kam nach Kiel-Holtenau eine Seefliegerstation. 1916/17 war Gunter PLÜSCHOW, einer der berühmtesten Front-flieger im Ersten Weltkrieg, Kommandant dieser Station. Er ist in der Marinegeschichte als „Flieger von Tsingtau“ eingegangen.
Von 1935 bis 1945 befand sich in Holtenau wieder ein Seeflieger-Horst und seit 1956 ist hier ein Marine-Fliegergeschwader stationiert. Zu diesem Fliegergeschwader gehörten eine Seenotstaffel mit amphibischen Flugzeugen für den Such-dienst, eine Hubschrauberstaffel für den Rettungsdienst und eine Dienst- und Transportstaffel. Heute ist hier das Marinefliegergeschwader 5 mit nur noch einer Hubschrauberstaffel stationiert. Diese Flieger sind jedoch nicht nur im Seenot-Rettungsdienst eingesetzt, sondern führen unter anderem auch Krankentransporte für die Zivilbevölkerung durch, wenn es gilt, lebensgefährlich Verletzte zur Spezialbehandlung in eine der umliegenden Kliniken zu fliegen. Auch in Katastrophenfällen und im Winter, wenn Dörfer eingeschneit und Halligen vom Eis blockiert sind, treten sie als „rettende Engel“ auf.
Während des Zweiten Weltkrieges war die Marinestadt Kiel mit ihren Werften ein lohnendes Angriffsziel für die alliierten Bomberverbände. Am Ende des Krieges war die Stadt Kiel zu 80 Prozent zerstört. Nach der Kapitulation wurden auf Befehl der Alliierten die letzen Reste der Werfthallen, Helligen und Kai-Anlagen auf dem Ostufer gesprengt, während der tatkräftige Oberbürgermeister Andreas GAYK den Wiederaufbau der Stadt betrieb. Die Trümmer wurden von der Bevölkerung geräumt, neue Wohnungen erstellt und Grünanlagen, die sogenannten „Gayk-Wälder“, durch die Schulkinder angelegt. Um Kiel für die Zukunft krisenfest zu machen, wurden neue Industrien angesiedelt.
Seit 1946 ist Kiel Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein.
Die 1888 erbaute Marine-Akademie wurde zum Landeshaus, Sitz des/der Ministerpräsidenten/in und des Landtages.
Nachdem die größten Schäden beseitigt waren, begannen die Howaldtswerke als einzige Werft auf dem Ostufer außer Schiffsreparaturen auch wieder Schiffe zu bauen. Nach Aufhebung der Tonnagebeschränkung liefen dann immer größere Schiffe und schließlich auch riesige Tanker vom Stapel. Auch U-Boote für die Bundesmarine wurden hier gebaut.
Nach der Fusion mit der Deutschen Werft AG wurde die „Howaldtswerke Deutsche Werft AG“ leistungsfähigste Werft der Bundesrepublik.
Als 1956 die Bundeswehr geschaffen wurde, war es eigentlich selbstver-ständlich, dass die Marine wieder nach Kiel kam. Die ehemaligen Kasernenanlagen in der Wik und an der Tirpitzmole nahmen Stäbe und schwimmende Einheiten auf. Zunächst traten die kleinen Bootsverbände, wie Minensuch-, Schnellboot-, U-Boot- und Schulgeschwader nicht weiter in Erscheinung. Dann aber wurde die Marine durch das Hinzutreten größerer Schiffseinheiten bis zum Lenkwaffenzerstörer ein beachtlicher Faktor im Wirtschaftsleben der Stadt.
Kiel hat also eine mehr als hundertjährige Marinetradition. Die Marine gehört zum Gesamtbild dieser Stadt an der Förde, was immer noch besonders während der alljährlichen „Kieler Woche“ in Erscheinung tritt, wenn fremde Kriegsschiffseinheiten im Tirpitzhafen festmachen.
Im Gegensatz zu den früheren Jahren steht der Soldat als mitverantwortlicher Bürger im politischen Geschehen seiner Garnison. Auch die Bürger der Stadt betrachten ihre Soldaten als zu ihnen gehörig. Dieses gute Einvernehmen ist ein Teil der Tradition der Marinestadt Kiel und diese Tradition zu pflegen und zu erhalten, wird auch immer ein Anliegen der Marine bleiben.
Schlussbetrachtung:
Kiel ist mit der Marine gewachsen, hat aber sicherlich auch mit und durch die Marine unter den Folgen des schlimmen Zweiten Weltkrieges gelitten. Dennoch zeugen noch heute Baudenkmäler, wie die Petruskirche, das ehemalige Anschar-Krankenhaus, die katholische Kirche in der Feldstraße oder auch die frühere Marine-Akademie (die heutige Landesregierung) von einer bereichernden Zeit mit der Marine in Kiel.
Die Gründung des Marineregattavereins (der heutige Kieler-Yacht-Club), die Entwicklung der Kieler Woche mit Regatten, Kongressen, Tagungen und tausenden ausländischen Besuchern, der Bau des Nord-Ostsee-Kanals als meistbefahrene Seestraße der Welt sind nur einige herausragende Beispiele für die positive Entwicklung Kiels mit der Marine.
Seit einigen Jahren zählen diese Tatsachen alle nicht mehr, denn es war eine politische Entscheidung, den Kieler Marinebereich deutlich zu reduzieren.
Es erscheint einem angesichts der historischen Entwicklung Kiels mit der Marine fast unglaublich, dass eine Entscheidung gegen den Marinestandort Kiel fallen konnte, aber leider zeigt die Umstrukturierung der Bundeswehr einen enormen Aderlass im einzigen Tiefwasserhafen an der Ostseeküste.
Nachdem ein Minensuch-, ein Schnellboot- und ebenso ein Landungsbootgeschwader sowie die U-Boote mit dem U-Bootflottillenstab bis 1998 Kiel verlassen hatten, wurde ebenfalls die Technische Marineschule 2001 in Kiel aufgelöst. Mit der Außerdienststellung der drei Lenkwaffenzerstörer hat die Marinestadt Kiel seine einstige Bedeutung als herausragender Flottenstützpunkt in der Ostsee nun leider verloren, so dass einzig das Segelschulschiff GORCH FOCK und der Einsatzgrupppenversorger FRANKFURT AM MAIN zeitweilig den Marinehafen zieren.
Sicher, die Aufgaben der Seestreitkräfte haben sich in andere Richtungen verlagert, was aber in der Zukunft (hoffentlich) nicht das Aus für Kiel als Marinestadt bedeutet.
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Die Entwicklung des Mützenbandes in der DEUTSCHEN MARINE
Als ich im Jahre 1983 als SaZ 4 (also für 4 Jahre Soldat auf Zeit) wurde, ahnte ich noch nicht, daß ich eines Tages Mützenbänder sammeln würde.
Völlig unbedarft (obwohl mein Großvater von 1924 - 1936 bei der Reichs - und Kriegsmarine gedient hatte und ein Onkel von mir als Kptlt.in Pension ging), kam ich zur Grundausbildung nach Eckernförde an die Waffenschule.
Ich war 33iger, d.h. Unterwasserwaffenmechaniker oder auch Torpedomixer. Ich bekam mein erstes Mützenband mit der Inschrift WAFFENSCHULE.
In Flensburg dann das Band U- JAGDBOOT NAJADE und auf der Unteroffiziersschule in Plön das Band UNTEROFFIZIERSCHULE.
Dort in Plön wurde meine Sammelleidenschaft geweckt, denn aus allen Standorten und von vielen Schiffen kamen die angehenden Unteroffiziere. Es mussten natürlich die Bänder gewechselt werden und so kam ich zu einer stattlichen Anzahl von verschiedenen Bändern.
Seit dieser Zeit sammle ich nun Mützenbänder, angefangen bei der Kaiserlichen Marine, über die Reichs - und Kriegsmarine bis hin zur Bundesmarine bzw. Deutschen Marine. Als Nebengebiet sammle ich auch Bänder der Handelsmarine, der Marine-HJ und Marine-SA.
Finden kann man diese Bänder auf Flohmärkten, beim Trödler und bei ehemaligen Marineangehörigen im Keller, auf dem Boden oder im Schrank in der guten Stube.
Ich habe z.Zt. ca.1100 verschiedene Mützenbänder in meiner Sammlung.
1675
Allgemein bezeichnet man das Jahr 1675 als das Geburtsjahr der brandenburg-preußischen und damit auch der Bundesflotte, weil in diesem Jahr der Große Kurfürst nach der siegreichen Schlacht bei Fehrbellin über die gerade seine Seemacht einengenden Bestimmungen des Vertrages von Labiau (20.11.1656) hinaus die volle Souveränität über Preußen auch auf die Macht zur See ausdehnen konnte.
Eine Uniform jedoch gab es nicht, ebensowenig wie in anderen Staaten jener Zeit. Auf dem Kopf trugen die Offiziere einen breitkrempigen Hut und die Matrosen eine Filzkappe.
1751
Als Friedrich d. Große während des Schlesischen Krieges 1751 einige Schiffe zur Verteidigung von Stettin, Danzig und Pillau ausrüstete, trugen die Matrosen einheitlich weiße, mit einem schwarzen Band verzierte Hemden und ein schwarzes Samtbarret.
Es sollte aber noch mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen, bis man sich entschloss, eine wirklich einheitliche Marine-Uniform zu schaffen.
1815
Als nach dem Wiener Kongress 1815 der "Deutsche Bund" geschaffen wurde, dem Küstenstriche an Nord- und Ostsee gehörten, kam es in Preußen zur Gründung einer Kriegsmarine. Diese Gründung wird auf den 23.10.1815 datiert, den Tag, an dem der schwedische Marineoberleutnant Longe dem Gouverneur von Stralsund, Generalmajor von Engelbrechten, sechs schwedische "Kanonier-Schaluppen" übergab und gleichzeitig mit dem Rang eines Marinehauptmannes in preußische Dienste trat.
1816
Der zuvor schon beschriebene Marinehauptmann Longe machte erstmalig den Vorschlag für Uniformen. Eine Kabinettsorder vom 12.07.1816 traf die Bestimmungen über die Marineuniformen.
Für Unteroffiziere und Matrosen sollte als Kopfbedeckung ein "ziemlich" hoch geführter Hut mit der preußischen Kokarde "schwarz-weiß" und mit der Inschrift des Schiffsnamens eingeführt werden. Nach einer Vorlage des Kriegsministers beim König lehnte dieser die Mützeninschrift bei den Unteroffizieren ab.
1818
In einer A.C.O. vom 30.01.1818 wurde für Mannschaften eine gewöhnliche Dienstmütze mit Lederschirm und einem dauernd zu tragenden Überzug vorgeschrieben, an der eine Nationalkokarde zu tragen war, die eine Verkleinerung der Rosette der früheren Schärpe der kurbrandenburgischen Marine darstellte. Diese Mützen wurden zwar hergestellt, sind aber nie getragen worden.
1751
Im Jahre 1823 wurden die "Garde-Mariniers" bei der Garde-Pionier-Abteilung in Potsdam als neue Marineeinheit errichtet. Als Kopfbedeckung hatten die "Garde-Mariniers" Hüte "nach Seemannsart" (Lackhüte).
Schon 1814 bekam König Friedrich Wilhelm III. vom damaligen englischen Prinzregenten Georg (1820-1830 König Georg IV.) in Portsmouth eine Modell-Fregatte zum Geschenk.
Die später deutsche Besatzung trug zunächst eine schirmlose blaue Mütze und als sie die Uniform der "Mariniers" bekam, statt der Lackhüte einen Strohhut mit dem Mützenband:
MATROSE SR.MAJESTÄT DES KÖNIGS
Die kommandierten Marineangehörigen der "Marinestation Potsdam" trugen die Uniformen ihrer Marineteile aber als Mützenband HOHENZOLLERN.
1848
Mit A.C.O. vom 05.09.1848 erfolgte die Gründung eines "Marine-Bataillon" aus dem wenige Wochen vorher gegründeten "Küsten-Bataillon". Dieses "Marine-Bataillon" umfasste zwei Kompanien. Seeleute-Bemannung, kämpfende Soldaten-Besatzung.
Letztere kamen überwiegend von den "Garde-Mariniers" und behielten ihre Uniform. Für die "Bemannung" griff man auf die Uniformvorschläge des Oberst Longe zurück.
Der Vorschlag, das Mützenband an der rechten Seite der Mütze zusammen zu nähen, wurde aber nicht angenommen.
Weiter war ein Strohhut vorhanden, der von einem schwarzen Seidenband umgeben war.
In einem vom 02.10.1848 von Prinz Adalbert von Preußen an das preußische Kriegskabinett gerichteten Schreiben heißt es:
Die " ... hinten herabhängenden Bänder am Hut gehören zu dem schwarzseidenen Bande, auf dem bei den uneingeschifften oder auf Kanonenbooten, die keinen Namen führen, dienenden Leute in goldenen Buchstaben K.M. (Kgl. Marine), während sonst stets der Name des Fahrzeuges, zu dem der Matrose gehört, auf das Mützenband zu setzen ist ...".
Doch diese Uniformen, die bei einer Reise der Mercur (Transportschiff) getragen wurden, hatten sich nicht bewährt. Kpt.z.S. Donner, der Kommandant, bemängelte sowohl die Uniform, wie auch das schlechte Arbeits- und Schuhzeug.
1849
Als man 1849 beabsichtigte, Freiwillige für eine Matrosendivision einzustellen, kommt das "Allgemeine Kriegs - Kabinett" auf einen Bekleidungsvorschlag zurück, den Prinz Adalbert nach dem negativen Bericht des Kpt. z.S. Donner neu entworfen hat. Dieser Vorschlag fand auch Billigung durch Friedrich Wilhelm IV. Mit den "Allerhöchsten Uniform-Bestimmungen über eine Uniformänderung und Rangangleichung in Preußen" vom 27.04.1849 wurde die erste offizielle Uniform durch das Kriegsministerium im Militärwochenblatt Nr.33 verkündet.
Als Kopfbedeckung dient ein nunmehr etwas flacherer Matrosenhut, weiter eine blaue Tuch- oder Wollmütze. Ein Zusatz im Erlass vom 27.04.1849 bestimmte folgendes: Der niedrige Matrosenhut ist mit einem schwarzseidenen Band zu versehen, auf dem der Name des Schiffes oder einfach "Königliche Marine" gedruckt ist. Die Innung des Schneiderhandwerks in Berlin, welche die Uniformen herstellte, besorgte dazu die Druckstempel. Die Initialen K.M. wurden nun anstelle der früheren Kokarde von der Bemannung als auch Besatzung getragen.
1850
Am 17.03.1850 erfolgt ein erneuter Uniformvorschlag von Prinz Adalbert, da man teilweise mit den vorhandenen Uniformteilen nicht einverstanden ist.
Die Kopfbedeckung der Matrosen sieht nun so aus: Gemäß eines Schreibens Prinz Adalberts an das preußische Kriegsministerium vom 01.01.1850 wird gebeten, dass beim Borddienst ein großer Filzhut -nach französischem Vorbild- mit Wachsleinwand aufgesetzt werden darf, an Stelle des vorhandenen Strohhutes. Auf ihm wird mit oder ohne Überzug ein schwarzseidenes Band befestigt, das wiederum die Buchstaben K.M. trägt oder aber wieder den voll ausgeschriebenen Schiffsnamen. Noch bis 1873 gehörte dieser Hut zur regulären Ausrüstung.
Außer diesem Hut gibt es, wie bereits erwähnt, die dunkelblaue Tuch- oder Wollmütze. Auch diese Mütze ist mit den goldenen Buchstaben K.M. verziert. Diese Goldbuchstaben sind das Nationalitätenabzeichen, nicht die Kokarde.
1852
Gemäß A.C.O. vom 02.03.1852 erfolgte eine Neueinführung einiger Uniformteile, darunter auch die Kopfbedeckung der Mannschaften.
Nach den ersten Vorschlägen Prinz Adalberts waren Strohhüte vorgesehen, doch konnte man die Hüte nicht immer in den passenden Größen finden und sie passten auch nicht zum rauen Seeklima. Es wurden die verschiedensten Hüte ausprobiert: lackierte Filzhüte, Hüte aus gepresstem Leder, bis man Filzhüte -wie bereits erwähnt- nach französischem Muster einführt.
Ähnlich ist es bei den Mützen. Hier folgt der blauen Tuchmütze vom 27.04.1849 und 17.03.1850 zunächst am 27.12.1852 eine gewirkte Mütze.
1853
Doch schon am 07.12.1853 lehnte Prinz Adalbert diese Mütze wieder ab, so dass man kurz darauf eine Mütze nach französischem Muster einführte. Das Mützenband wird an der rechten Seite zu einer Schleife gebunden und oben auf dem Deckel der Mütze befindet sich ein roter "Puschel". Ähnlich wie bei der französischen und italienischen Marine noch heute zu sehen.
1859
Am 29.05.1859 fiel bei den Mannschaften der Bemannung und Besatzung die Buchstaben K.M. weg. Die Mannschaften des Seebataillons bekamen die preußische Metallkokarde während die Matrosen die Buchstaben K.M. durch ein Mützenband wie beim Hut mit dem goldgedruckten Namen des Schiffes oder, wenn sie der Flotten- Stamm-Division angehörten, durch ein Band mit der Inschrift KÖNIGLICHE MARINE zu ersetzen hatten.
1867
Als Kopfbedeckung gibt es jetzt vier Varianten: die flache Tellermütze, die blauwollene Mütze und den flachen Matrosenhut. Diese drei Kopfbedeckungen sind mit dem schwarzseidenen Mützenband mit der Inschrift KÖNIGLICHE MARINE bzw. mit der Kokarde versehen. Der Lacklederhut dient nur zu Paradezwecken.
1870 / 1871
Nach dem Krieg von 1870 / 71 wurde aus der königlichen Marine nun eine Kaiserliche Marine.
1873
In der A.C.O. vom 28.01.1873 heißt es:
"Das von den Mannschaften Meiner Marine an der Kopfbedeckung getragene Band mit der Bezeichnung KAISERLICHE MARINE oder mit dem Namen des Schiffes ist als der militärischen Kokarde gleichzubedeutendes Abzeichen anzusehen. Das gedachte Band darf von den Marinemannschaften in der Zeit nicht getragen werden, für welche ihnen die Berechtigung zum Tragen der militärischen Kokarde aberkannt worden ist." Mit einer Anordnung des Chefs der Admiralität vom 09.07.1873 werden die silbernen Unterscheidungsmerkmale für das technische Personal eingeführt. Die Schrift in dem Mützenband wird silberfarben. Diese Anordnung enthält auch den Wegfall des alten Lackhutes. Der Anlass zu dieser Maßnahme, so erzählt man, sei entstanden bei der Suez-Kanal-Feier, als der Kaiserin Eugenie an Bord eines der dort anwesenden preußischen Kriegsschiffe -auf dem sie sich aufhielt- der Hut eines in den Raaen paradierenden Matrosen vor die Füße gefallen sei.
Anstelle des Hutes kommt eine zweite Mütze.
Zu dieser Anordnung der Admiralität erscheint ein "Abänderungsbefehl die Bekleidung der Marinemannschaften betreffend." In ihm heißt es unter anderem: "Zur Unterscheidung der einzelnen Marineteile werden äußere Abzeichen an der Bekleidung eingeführt. Als derjenige Teil der Uniform der Mannschaften, welcher die Unterscheidungszeichen der einzelnen Marineteile zu geben hat, ist das Mützenband bestimmt worden." Die bisherigen Flottenstamm-Divisionen erhalten ein Mützenband in Gold gewirkt mit der Inschrift: 1.I.KAISERLICHE MARINE I.1., wobei die römische Ziffer die Abteilung und die arabische Ziffer die Kompanie bedeutet. Die bisherigen Werft-Divisionen erhalten ein gleiches Band in Silber, die Schiffsjungen ein Band mit Goldbuchstaben ohne Zahlen.
1875
Mit A.C.O. vom 17.08.1875 gilt folgendes für Unteroffiziere und Mannschaften: Die blaue Mütze bleibt unverändert. Das Mützenband ist 116 cm lang und 3,2 cm breit.
Die Aufschrift lautet allgemein KAISERLICHE MARINE. Dahinter in römischen Ziffern die Nummer der Division, hinter dieser in arabischen Ziffern die Nummer der Abteilung. Während die Inschrift bei der Matrosendivision und der Matrosenartillerieabteilung in Gold gestickt war, trug die Werftdivision Silber und die Schiffsjungenabteilung rot, letztere ohne Abteilungsziffern.
Matrosen der 2.Klasse des Soldatenstandes war das Tragen des Mützenbandes verboten.
1877
Die See-Artillerie, seit 1877 Matrosen-Artillerie-Abteilung wurde durch A.C.O. vom 31.10.1857 zum 11.11.1857 aufgestellt. Im Jahre 1877 erfolgte im Zuge einer Umorganisierung die Änderung des Namens. Die Truppe bildete ihre Angehörigen nicht selbst aus. Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, letztere nach einjähriger Dienstzeit, traten aus der Artillerie des Landheeres zu ihr über. Die bis dato getragene Uniform wurde 1877 gegen seemännische Bekleidung getauscht und die Mützenbänder hatten die Inschrift:
KAISERLICHE-MATROSEN-ARTILLERIE.
1878
Da die Kopfbedeckung der Mannschaften immer noch Schwierigkeiten bereitet, führte man nach einem Admiralserlass vom 07.12.1878 eine neue dunkelblaue Tuchmütze ein. Sie war jetzt 11 cm hoch, hatte eine Versteifung im Deckel und eine Fischbeineinlage.
1879
Mit Befehl vom 21.11.1879 führte der Marineminister Stosch aus Ersparnisgründen wieder bedruckte Mützenbänder ein. Bei Paraden blieben dagegen die gewebten Bänder.
1883
Da sich die bedruckten Bänder aber nicht bewährten, wurde dieser Befehl am 05.10.1883 wieder aufgehoben (man benötigte also fast vier Jahre, um dieses festzustellen).
Die neue Torpedowaffe erhielt besondere Bänder mit folgender Aufschrift:
I.TORPEDOBOOTS = DIVISION I.
Mit diesem neuen Band wurden die bisherigen Bänder mit dem Namen der Torpedoboote abgelöst, denn in Zukunft wurden die Boote nur noch mit Ziffern und Buchstaben versehen.
Die aus der alten Seeartillerie hervorgegangene Matrosenartillerie erhielt am 21.12.1883 ein neues Band mit der Inschrift: 1.I.KAIS.MATR.ARTILLERIE I.1..
1884
Mit A.C.O. vom 15.04.1884 erhielten die Mannschaften den Befehl, die schwarz-weiß-rote Kokarde zu tragen (siehe 1873). Dieser Befehl wurde aber nicht mit allgemeiner Begeisterung aufgenommen. Nach dem alten Seemannsspruch: "Bei Gott und der Marine ist nichts unmöglich" setzte sich bei höheren Dienststellen die Erkenntnis durch, dass das Tragen des Mützenbandes eine besondere Ehre sei, die Treue zu seiner Einheit und die Kameradschaft fördere.
Dieses galt aber nicht für Soldaten der 2.Kl. des Soldatenstandes. Für sie wurde die Erlaubnis erst viel später erteilt. (Zwischenzeitlich, nämlich durch Befehl vom 14.03.1889, durften sie nicht einmal das Mützenband tragen.)
Der Stolz und die Freude am Mützenband ging so weit, dass die entlassenen Reservisten, die ihre letzte Uniform mit in die Heimat nehmen durften, sich ein extra langes Band besorgten und in die Mütze einzogen. Diese Bänder waren ca.4 m lang und die Enden reichten bis auf den Boden. Die Beschriftung dieser "Reservistenbänder" trieb zum Teil herrliche Blüten wie z.B.:
EIN MAEDCHEN WELCH MARINE TRAUT / HAT MEIST AUF LOSEN SAND GEBAUT RESERVE S.M.S. KAISER KARL DER GROSSE / HIER LIEBT MARINE NUR ZUM SCHERZ / DEM LIEB DAHEIM GEHOERT DAS HERZ
oder
DOCH JETZT IST UNSERE DIENSTZEIT AUS / RESERVE HAT RUH JETZT GEHTS NACH HAUS / RESERVE S.M.S. BREMEN / HAT TREU GEDIENT AM FERNEN STRAND / VON CANADA BIS FEUERLAND PAROLE HEIMAT
1887
Im Jahre 1887 erhielt die Torpedowaffe eine eigene Stammabteilung, die aus dem Torpedodetachement hervorging und damit ein eigenes Mützenband mit der Aufschrift:
I.T.KAISERLICHE MARINE T.I. . Doch bereits vier Monate später wurde die Abteilung vergrößert und wechselte das Band in 1.II.TORPEDO-ABTHEILUNG II.1..
1890
Wesentliche Veränderungen bei der Uniform für Unteroffiziere und Mannschaften gab es seit 1873 nicht mehr. Bei den Mützenbändern sind noch einige Dinge zu beachten.
Die Angehörigen der (Halb-) Flottillen der Nordsee tragen gerade, die der Ostsee ungerade Nummern vor bzw. nach der Beschriftung auf dem Mützenband.
Mit Verordnung vom 01.08.1890, MVBl Nr.14/130, wurde bestimmt, daß bei den Schiffsnamen auf dem Mützenband die Buchstaben S.M.S. (Seiner Majestät Schiff) voranzusetzen sind.
Ausgenommen davon sind die kaiserlichen Yachten. Deren Bezeichnung lautet S.M.Y..
1900
Ab 08.10.1900 bekamen die Schiffsjungen, die bisher gewebte Bänder mit roter Beschriftung trugen, die Beschriftung in roter Seide gestickt.
1913
Mit A.C.O. vom 03.05.1913 wurde eine Marine-Luftschiff-Abteilung und am 01.06.1913 eine (später mehrere) Marine-Fliegerabteilungen gebildet.
Hinzu kam noch ein Freiwilliges-Marine-Fliegerkorps.
Die Marine-Fliegerabteilungen unterteilten sich noch in Marine-Seeflug- und Marine-Landflug-Stationen.
Die Mützenbänder trugen als Inschrift in goldenen bzw. silbernen Buchstaben:
MARINE-LUFTSCHIFFER-ABTEILUNG
MARINE-SEEFLIEGER-ABTEILUNG
MARINE-LANDFLIEGER-ABTEILUNG
Hinzu kamen bei den verschiedenen Abteilungen die Nummern in arabischen Zahlen.
Bis zum Beginn des 1.Weltkrieges wurde auf den afrikanischen und anderen überseeischen Stationen von den Mannschaftsdienstgraden immer noch, je nach Witterung, ein Strohhut, die blaue Mütze oder der Tropenhelm mit Mützenband und Kokarde getragen.
1914 - 1918
Kurz nach Beginn des 1. Weltkrieges kam es durch den weiteren Ausbau und der starken Vergrößerung der Marine fast zu einer Inflation von Mützenbändern.
Auch gab es einige sehr kuriose Bänder, wie z.B. MARINE-RADFAHR-KOMPANIE, BAUDIVISION oder SCHWERES KORPS-ARTILLERIE-REGIMENT.
Die Marine stellte auch Pionierbataillone und Artillerieabteilungen an der Westfront auf.
Die Soldaten trugen feldgraue Uniform, dazu graue oder blaue Mützen mit Bändern!
Die Marinefliegereinheiten an der Westfront trugen ebenfalls feldgrau, dazu die Matrosenmütze mit Mützenband.
Die Mützenbänder wurden aus Rohstoffmangel zum Ende des Krieges hin in gelber bzw. weißer Baumwolle gestickt.
1919
Nach einem Gesetz, verabschiedet am 16.04.1919 und verkündet im MVBl Nr.17 vom 28.05.1919, wird die "Neuaufstellung einer vorläufigen Reichsmarine" beschlossen.
Laut MVBl Nr.24 vom 07.08.1919 werden die Bekleidungsbestimmungen vorgeschrieben.
Von der Reichsmarine wurden nur die Mützenbänder mit der goldenen Inschrift übernommen. Bei den fahrenden Einheiten musste das S.M.S. durch übermalen bzw. entfernen der ersten beiden Buchstaben verändert werden.
1920
Offiziell endete das Tragen der Bänder mit der Bezeichnung S.M.S. gemäß der Verordnung des Reichspräsidenten erst am 21.01.1920 laut MVBL Nr.48 / 20.
1921
Am 23.03.1921 wurde das neue Wehrgesetz beschlossen. Verkündet wurde es im MVBl Nr.9 vom 05.04.1921. Im MVBl Nr.10 vom 15.04.1921 wurde das neue Gesetz über die "Bekleidung und Ausrüstung der Reichsmarine" bekannt gegeben.
Für das Mützenband hat sich in Bandlänge und Trageweise keine Änderung ergeben.
Die Inschrift auf den Bändern hat sich geändert. Die silbernen und die roten Inschriften fielen weg. Bei der jetzigen Schrift handelt es sich um goldgewirkte lateinische Großbuchstaben und Nummern. Darüber befestigt ist nun die neue Reichskokarde.
Aufgrund der schlechten Rohstofflage durften die alten Mützenbänder an Bord noch aufgetragen werden.
1924
Am 17.01.1924 wurden die "Marine-Bekleidungs- und Anzugs-Bestimmungen" zusammengefasst und galten ab 26.01.1924. Die flache blaue Mütze, die getragen wird, ist vorn 3,5 cm hoch, genauso gearbeitet ist die weiße Mütze, zu der auswechselbare weiße Bezüge vorhanden sind. Das Mützenband ist 3,2 cm breit und 116 cm lang. Die Enden werden schwalbenschwanzförmig geschnitten.
1929
Der "Bund für deutsche Schrift" trat ab 1927 mehrfach an die Reichsmarineleitung heran, die Beschriftung der Schiffe und der Mützenbänder in der deutschen Schrift auszuführen.
Am 14.10.1929 gab die Reichsmarineleitung bekannt: Ab sofort werden bei Schiffsneubauten die Schiffsnamen, die Mützenbänder und alle sonstigen Beschriftungen in der
"Fetten Reichsdruckerei = Fraktur" ausgeführt.
1930
Die Besatzungen der Kreuzer Karlsruhe und Köln erhielten kurz vor einer Auslandsreise neue Mützenbänder. Die Bänder blieben in Länge und Breite gleich, erhielten aber an Stelle der lateinischen Großbuchstaben deutsche (fraktur) Schriftzeichen.
Die Schrift -insbesondere die kleinen Buchstaben- war zu klein gewählt und bereits auf kurze Entfernung nicht mehr deutlich zu entziffern.
Man wählte dann so große Buchstaben, wie sie gerade noch auf der Breite des Bandes Platz hatten.
Alt: KREUZER KARLSRUHE Neu: Kreuzer Karlsruhe
1933
Die "Marine-Bekleidungs- und Anzugs-Bestimmungen" wurden in eine Marinedienst-vorschrift (MDv 260) zusammengefasst. Danach sah die Uniform folgendermaßen aus:
Alle Soldaten trugen auf der rechten Brustseite aller Uniformstücke - mit Ausnahme des Mantels - das neu geschaffene Hoheitsabzeichen in Form eines Adlers mit breiten Flügelschwingen, der in seinen Fängen einen Eichenlaubkranz mit einem darinnen befindlichen Hakenkreuz hält. Des weiteren kommt gleich in den Anfangstagen eine neue Nationalkokarde zur Ausgabe und zwar in den jetzigen Reichsfarben schwarz-weiß-rot.
Die Mützenbandaufschrift ändert sich in Kriegsmarine. Bei den Schiffseinheiten bleibt sie unverändert. Das Band ist weiterhin 3,2 cm breit und 116 cm lang.
1934
Ab dem 25.03.1934 wird zusätzlich zum Mützenband und Kokarde das Hoheitsabzeichen in Form des Adlers (wie schon beschrieben) über der Kokarde getragen.
1939 - 1945
Kurz nach Kriegsbeginn erfolgte durch Erlass des OKM vom 05.09.1939 die Ausgabe des Mützenbandes Kriegsmarine an alle Unteroffiziere und Mannschaften. Die bisherigen Bänder mußten aus Geheimhaltungsgründen getauscht werden. Diese Tauschaktion zog sich aber in einigen Truppenteilen bis ins Frühjahr 1940 hin.
Kammerbänder - gelbe Baumwolle, Kantinenbänder - Metallfaden
Bis zum Ende des Krieges gab es keine Veränderungen bei den Mützenbändern.
1945 -1947 / 1951
Am 01.08.1945 wurde durch die englische Besatzungsmacht, soweit diese dafür zuständig war, die GERMAN MINE-SWEEPING ADMINISTRATION, kurz GM/SA genannt gegründet.
Sie hatte die Aufgabe, ähnlich wie schon Verbände der Marine nach dem ersten Weltkrieg, die zahlreichen noch bestehenden Minenfelder zu räumen. Die Kopfbedeckung war die im Jahre 1938 eingeführte Bordmütze auch Schiffchen genannt (MVBl Nr.762). Es wurde natürlich ohne Kokarde und Hoheitsabzeichen getragen. Im Dezember 1947 wurde die GM/SA aufgelöst.
Damit hörten keineswegs die Nachfolgeverbände der Marine auf. Zahlreiche neue Verbände wurden im Laufe der Jahre neu aufgestellt.
Zur gleichen Zeit wie die GM/SA wurde in Bremerhaven unter amerikanischer Regie die Marine Dienstgruppe, kurz MDG ins Leben gerufen. Auch dieser Verband wurde Ende 1947 aufgelöst. Das Personal wurde teilweise entlassen, ein Teil verblieb als Hilfspersonal bei der amerikanischen Marine, ein anderer Teil wechselte zum "Minenräumverband des Zollgrenzschutzes" nach Cuxhaven, der bis zum 30.06.1951 bestand.
1951
Am 01.07.1951 wurde der "Bundesgrenzschutz-See" aufgestellt. Diese Einheit kann aufgrund der Aufgabenstellung nicht als Nachfolgeverband der Kriegsmarine angesehen werden.
Der Bundesgrenzschutz-See übernahm die Mützenbänder mit der gotischen Schrift, wobei zu Beginn der eigentliche Name noch in Anführungszeichen gesetzt wurde wie z.B.:
Begleitschiff "Eider".
Des weiteren wurde die "LABOR SERVICE UNIT B" in Bremerhaven und "C" in Schierstein aufgestellt. Ihre Aufgaben waren die gleichen geblieben, wie sie schon die vorher genannten Verbände GM/SA und MDG durchgeführt hatten. Als Kopfbedeckung diente auch hier das alte bewährte Schiffchen als Bordmütze. An dessen linker Vorderseite - genau wie vorher bei den anderen Verbänden - waren die Buchstaben "LSU" angebracht.
1955
Nach der Kapitulation und Demobilisierung der deutschen Streitkräfte am Ende des 2. Weltkrieges gab es -abgesehen von den zwischenzeitlichen Nachfolgeverbänden- keine offiziellen deutschen Streitkräfte.
Am 12.11.1955 rückten die ersten Soldaten wieder in die Kasernen ein.
Nach dem neu geschaffenen Soldatengesetz vom 19.03.1956 bestimmt der Bundespräsident die Uniform und Dienstgradabzeichen der Soldaten. Nach diesen Bestimmungen erhalten alle Uniformen der neu aufgestellten Teilstreitkräfte neue Farben und Embleme, NICHT SO die Marine. Die Uniform bleibt in ihrer Urform erhalten.
Die Mannschaften und Unteroffiziere tragen die fast unverändert gebliebene Mütze, allerdings jetzt mit der schwarz-rot-goldenen Kokarde an Stelle des früheren Hoheitsadlers. Das Mützenband ist unverändert geblieben, alle Bänder zeigen als Inschrift die Schiffs- und Schulbezeichnung in Frakturbuchstaben.
1959
Am 08.06.1959 erfolgt eine Ergänzung und Änderung der Uniform gemäß der 3.Anordnung des Bundespräsidenten über die Uniform der Soldaten.
Durch Eingliederung in die NATO ändert sich ein weiteres Mal die Inschrift der Mützenbänder.
Diese erscheint nun wieder in lateinischen Großbuchstaben.
Alt: Bundesmarine Neu: BUNDESMARINE
Umlaute werden jetzt aber nur mit einem Buchstaben geschrieben.
Alt: MARINESCHULE MUERWIK Neu: MARINESCHULE MÜRWIK
Die Mützenbänder mit der alten Schriftform wurden noch bis Anfang 1960 aufgebraucht und dann gab es nur noch die neue (alte) Form (siehe Kaiserliche- bzw. Reichsmarine).
Kammerbänder - gelbe Baumwolle, Kantinenbänder - Metallfaden.
So haben sich die Mützenbänder der Bundesmarine seit 1960 im wesentlichen nicht mehr geändert. Einzig durch verschiedene Webereien und Stickereien, die im Auftrag des Materialbeschaffungsamtes Bänder herstellten, gibt es Unterschiede, die aber minimal sind.
1956
Mit Erlass vom18.01.1956 wurde in der 1949 entstandenen DDR die Nationale Volksarmee aufgestellt. Mit diesem Erlass wurde der Prozess der Wiederbewaffnung im nachhinein legalisiert. Schon am 15.06.1950 wurde die Hauptverwaltung Seepolizei gegründet. Die Seepolizei war die erste Stufe auf dem Weg zu regulären Seestreitkräften. Im Jahre 1952 wurde die Seepolizei offiziell in Volkspolizei-See umbenannt. Am 01.03.1956 nahm die Verwaltung Seestreitkräfte ihre Dienstgeschäfte auf. Die Volkspolizei-See ging mit ihren Truppen und Fahrzeugen nahtlos in die Seestreitkräfte der DDR über. Die Uniformen dieser Teilstreitkraft waren fast unveränderte Kriegsmarineuniformen. Das Mützenband hatte die in gotischen Buchstaben gehaltene Inschrift Seestreitkräfte. Zuvor war die Inschrift Seepolizei oder Volkspolizei - See. Die Kokarde an der Mütze war schwarz-rot-gold.
Als Abweichung hiervon hatte das Personal der Grenzbrigade Küste als Inschrift auf dem Mützenband in gotischen Buchstaben Grenzbrigade Küste.
1960
Am 10.10.1960 verlieh der nationale Verteidigungsrat den Seestreitkräften offiziell die Bezeichnung Volksmarine.
1962
Gemäß dem 2. Beschluss über die Einführung der Uniform, der Dienstgradabzeichen und der Dienstgrade für die Nationale Volksarmee vom 25.01.1962 gab es folgende Veränderungen:
An Stelle der bisherigen schwarz-rot-goldenen Kokarde tritt ein Blechabzeichen in Form des Staatsemblems, Hammer und Zirkel in einem Ährenkranz.
Die Mützenbänder werden gewechselt und haben jetzt die Inschrift Volksmarine.
1966
Im Frühjahr 1966 gab es wieder eine Änderung. Die bisherigen Grenztruppen, wurden mit der normalen Marineuniform eingekleidet. Das Mützenband hatte nun die Inschrift Grenztruppen bzw. Grenztruppen der DDR.
Im Gegensatz zur Bundesmarine gab es bei der Volksmarine für die einzelnen Schiffe, Schulen und Landeinheiten keine besonderen Mützenbänder.
Mit dem Tage der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten konnte es nur eine Marine in Deutschland geben.
Am 02.10.1990 stellte die Volksmarine alle Einheiten außer Dienst, von denen die Bundesmarine nur einige wenige übernahm.
Eine andere Version über die traditionelle Entwicklung des Mützenbandes.
Die Aufzeichnungen zur Entwicklung des Mützenbandes bei der Deutschen Marine geben den historischen Rahmen - es bleibt die Ausschmückung mit einer Überlieferung, die von Jahr zu Jahr, von Seemann zu Seemann, von den Alten an die Jungen weitergegeben wurde.
Historisch belegbar ist diese Überlieferung nicht.
Wenn die Matrosen in früheren Jahrhunderten an Land gingen, nahmen sie, genau wie heute, bei einer Einkehr ihre Kopfbedeckung ab. Bei der Menge der Kopfbedeckungen und ihrem, wie wir gesehen haben, fast gleichen Aussehen, kam es vor, dass diese verwechselt wurden oder gar abhanden kamen. Um diesem Umstand abzuhelfen, wurde der Name des Schiffes, auf dem der Träger sich befand, mit Kreide auf die Kopfbedeckung geschrieben. Da diese Aufschrift aber immer wieder weggewischt wurde und man bei einer langen Seereise sehr viel Zeit hatte, ging man dazu über, den Schiffsnamen mehr oder weniger kunstvoll in Leinenband zu sticken.
Um 1800 wurden dann statt der Leinenbänder Seidenbänder genommen. Das hatte gegenüber dem Leinenband den Vorteil, nicht so steif zu sein und sich also geschmeidiger um die Mütze bzw. Strohhut legen zu lassen. Es wurde im allgemeinen mit einer schwalbenschwanzförmigen Form der beiden Bandenden getragen.
Diese Bandenden sollen wiederum an die Zöpfe der Seeleute erinnern, die sie nach Art des "französischen Zopfes" in zwei- oder dreifacher Flechtung trugen.
Diese Zöpfe wurden durch eingeflochtene Garne und reichlich Fett (eventuell sogar Teer) versteift. An Bord blieb der Zopf an Werktagen geflochten, an Sonn - und Feiertagen trug der Seemann die Haare offen.
QUELLENANGABE
Erhard Bogen, Kiel (mündliche Aussagen)
Hildebrand, Röhr, Steinmetz
Die deutschen Kriegsschiffe Band 1 - 7 Koehlers Verlagsgesellschaft mbH Herford 1981
Georg Lintz
Die Entwicklung des Marine - Mützenbandes Zeitschrift für Heereskunde 31.Jg.Nr.213
J.P.Mallmann - Showell
Das Buch der deutschen Kriegsmarine 1935 -1945 Motorbuch - Verlag 1992
Marineamt Wilhelmshaven
Die Geschichte der Matrosenuniform
Horst Rivier
Die Mützenbänder der kaiserlichen deutschen Marine 1848 - 1920 Eigenverlag
Guntram Schulze - Wegener
Deutschland zur See 150 Jahre Marinegeschichte Verlag Mittler 1998
Kurt Speckmann
Mützenbänder der Bundesmarine 5. Auflage Oktober 1997
Josef Zienert
Unsere Marineuniform Verlag Helmut Gerhard Schulz Hamburg 1970
Bernd Wedeking, Bochum (mündliche Aussagen)
Nachwort
Bundeskanzler Adenauer begann die erste Sitzung, die er 1956 mit den militärischen Abteilungsleitern im Bundesinnenministerium der Verteidigung abhielt (zu Inspekteuren wurden sie erst im folgenden Jahr ernannt), damit, dass er zu dem späteren Generalinspekteur sagte:
"Det muß ich Ihnen sagen, Herr Heusinger, de Uniformen von de Bundeswehr müssen attraktiver werden." Die Bundeswehr war für ihn im allgemeinen das Heer. Dann sah er zum Leiter der Abteilung VII (Marine) hinüber und fügte hinzu: "De Uniformen von de Marine sind natürlich in Ordnung, wie immer."
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